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Autorin: Nelly Sachs
Geboren 10.12.1891 in Berlin als Tochter jüdischer Eltern, war Nelly Sachs seit 1908 als Schriftstellerin tätig. Im Mai 1940 gelang ihr und ihrer Mutter (u.A. durch Vermittlung von Selma Lagerlöf) die Ausreise nach Schweden, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte. Die danach entstandenen Gedicht-Zyklen spannen einen Bogen vom tragischen jüdischen Schicksal "In den Wohnungen des Todes" über die mystische Erfahrung von "Flucht und Verwandlung" zu den existentiellen Fragen in "Suche nach Lebenden". Ihr wurden u.a. der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1965) und der Nobelpreis für Literatur (1966) verliehen. 1967 wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Berlin. Sie starb in Stockholm am 12.5.1970.

Komponistin: Alice Samter
Geboren 1908 in Berlin; Studium (Klavier, Improvisation, Chorarbeit und Schulmusik) am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und der Hochschule für Musik Berlin. Nach dem 2. Weltkrieg legte Alice Samter ihr Examen als Schulmusikerin ab und arbeitete danach bis 1970 als Lehrerin in Spandauer Schulen. Neben und nach dieser Tätigkeit führte sie ihre bereits vor 1945 weitläufig angelegte kompositorische Arbeit fort. Das Schaffen von Alice Samter umfaßt sechs Bühnenwerke, drei Schulopern, Chormusik, solistische Vokalmusik mit Begleitung verschiedener Instrumente, vielerlei Kammermusik- sowie Klavierwerke.
Als Meisterin des musikalischen Aphorismus verarbeitete Alice Samter in ihrem Oevre diverse Themen der Zeit, übte immer wieder Gesellschaftskritik und persiflierte traditionelle Geschlechterrollen.
Für ihr kompositorisches Lebenswerk und ihr gesellschaftliches Engagement erhielt Alice Samter zahlreiche Ehrungen, darunter 1988 das Bundesverdienstkreuz.
Im April 1999 spendete die Künstlerin der Hochschule der Künste Berlin einen Geldbetrag, der als Alice-Samter-Stiftung verwaltet wird und mit dessen Erträgen Studierende der Fakultät Musik unterstützt werden.
Spielleitung: Robert Desmont
Robert Desmont absolvierte seine Schauspiel-Ausbildung zunächst in der Schweiz, dann in New York, Chikago und Berlin. Nach Hospitationen in Berlin, Zürich und Dresden (u.a. bei Uwe Eric Laufenberg) übernahm er unter Werner Sauer eine Regieassistenz in Berlin an der Komischen Oper. Die "Nachtwache" ist die erste Regie-Arbeit des jungen und engagierten Künstlers.
Musikalische Leitung: Matthias Bender
Matthias Bender studierte an der Wittenberg University in Springfield/Ohio (USA) und an der Berliner Kirchenmusikschule bei Martin Behrmann und Ernst Pepping. Seit 1976 Kantor der
Luthergemeinde Spandau. Zahlreiche Konzerte mit Musik aller Epochen, Uraufführungen und musikalische Bühnenproduktionen (zuletzt G.C. Menotti: "Amahl und die nächtlichen Besucher", Helmut Barbe: "Halleluja, Billy").
Das Werk: Nachtwache – Ein Alptraum in 9 Bildern
Die "Nachtwache" behandelt die Verfolgungssituation mit den Henker-Opfer- Motiv und setzt sich intensiv mit dem Themenkomplex um Schuld und Sühne auseinander. Der Ausgangspunkt ist die Flucht zweier Lagerhäftlinge, von denen der eine, Heinz, an seinem Freund Pavel schuldig wird, weil er ihm rettende Hilfe versagt, um sein eigenes Leben zu retten. Den weiteren Gang der Handlung tragen die Schuld-Visionen des Heinz, bis er schließlich bereut und als Sühne den Tod sucht. Nelly Sachs: "Jene furchtbarste Frage, eine Kernfrage der Menschheit, zieht durch das Ganze: Warum es des Bösen bedarf, um den Heiligen, den Märtyrer, zu schaffen".
Das Stück wurde Anfang der fünfziger Jahre geschrieben und 1962 veröffentlicht, 1965 schrieb Alice Samter die Musik dazu. Das Werk wurde bisher noch nicht aufgeführt.
Aufführungszeit: um den 9.11.2001
Der 9.November ist in Deutschland politisch vor allem mit der Erinnerung an die Pogrom-Nacht im Jahre 1938 belegt.
Im Kirchenkalender sind die letzten Wochen des Kirchenjahres um Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag speziell dem Nachdenken über Schuld und Sühne, Leben und Tod, Zeit und Ewigkeit gewidmet.
Diese spezielle Aufführungszeit wurde bewußt gewählt, weil in der "Nachtwache" sowohl diese politischen als auch die religiösen Inhalte reflektiert werden.
Aufführungsort: Lutherkirche Spandau
Die Lutherkirche wurde 1996 so umgebaut, daß in zwei Dritteln des ursprünglichen Kirchenraums Wohnungen eingebaut wurden. Der neue Kirchenraum faßt 300 Sitzplätze, die sich auf das Erdgeschoß und eine drei Seiten umfassende Galerie verteilen. Die Bestuhlung ist flexibel gehalten, so daß der Raum schon oft für szenische Darstellungen genutzt wurde.
Veranstalter: Luthergemeinde Spandau
Die Luthergemeinde umfaßt den Bereich der Spandauer Neustadt. Die ehemals für Arbeiter in der Militärindustrie erbauten Mietshäuser werden zu ca. 30% von ausländischen Mitbürgern bewohnt. Der Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtbevölkerung ist überdurchschnittlich. U.a. am Schließen der vorhandenen Geschäfte und am Leerstand vieler Mietswohnungen ist in der letzten Zeit ein deutlicher Trend zur Verslummung ablesbar.
Die Luthergemeinde möchte sich den Herausforderungen, die aus diesem Umfeld erwachsen, stellen. Daher spielt in der Arbeit der Luthergemeinde der diakonische Aspekt einen wichtigen Schwerpunkt: Zum Umfeld der Gemeinde gehören u.a. der Frauentreff "Eulalia Eigensinn", und das Arbeitslosenprojekt "Regenbogen". In die Kirche wurden in einer Zeit großer Wohnungs-Knappheit Mietwohnungen eingebaut, das Gemeindehaus wurde mit einer Solaranlage versehen und in ein ökumenisches Zentrum umgewandelt. In
Predigtreihen und Podiumsdiskussionen, zu denen Gäste aus Politik und Gesellschaft eingeladen werden, versucht die Luthergemeinde, die Diskussion über Themen zu wecken und wachzuhalten, die die Menschen der Neustadt betreffen.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Luthergemeinde ist die Kirchenmusik mit Kinderchor, Jugendgospelchor, Posaunenchor, Kirchenchor und Streichorchester. Alle diese Gruppen waren auch schon an der Darstellung szenischer Musik beteiligt. Der "Freundeskreis der evangelischen Lutherkirche e.V." hat sich zur Aufgabe gesetzt, Geld für eine neue Orgel zu sammeln. In diesem Rahmen wurde in einem Benefiz-Konzert in Anwesenheit der Komponistin im April 2000 in der Lutherkirche Alice Samter’s "Nelly-Sachs-Trio" aufgeführt.
Die Luthergemeinde veranstaltet im November 2001 die Aufführungen der "Nachtwache", da zum einen die in diesem Stück behandelte Thematik zu den Schwerpunkten der Arbeit der Luthergemeinde gehört, und zum anderen die Spandauer Neustadt als Kulturstandort überregional bekannt gemacht werden soll. Da die finanziellen Mittel der Luthergemeinde nicht für eine Finanzierung des gesamten Projekts ausreichen, stellt die Luthergemeinde den Aufführungsort, den musikalischen Leiter und die Projektleitung einschließlich der Verwaltungskosten (Kopien, Telefon, Fax etc) als Eigenleistung.
Aufgrund der überregionalen Bedeutung des Projektes wird die Aufführung durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds und des Bezirkes Spandau ermöglicht.
Presseerklärung vom 23.10.2001
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte Sie auf eine Veranstaltung der Luthergemeinde aufmerksam machen, die im November stattfinden wird: Die Luthergemeinde wird am 9. November 2001 die Kammeroper "Nachtwache" der Berliner Komponistin Alice Samter zur Uraufführung bringen, die auf dem gleichnamigen Theaterstück von Nelly Sachs beruht. Dieses Projekt wird durch den Hauptstadtkulturfonds und das Kulturamt Spandau ermöglicht.
In der "Nachtwache" reflektiert die jüdische Nobelpreisträgerin Nelly Sachs den Umgang mit Schuld in einer Verfolgungssituation. Die Komposition der 1908 in Berlin geborenen Alice Samter entstand 1965 aus Begeisterung für die Texte von Nelly Sachs. Mit sparsam aber effektvoll eingesetzten musikalischen Mitteln unterstützt sie beeindruckend den Traumcharakter weiter Passagen des Stückes.
Die Luthergemeinde ist auch außerhalb Berlins bekannt wegen ihrer besonderen Projekte (z.B. Forum zur sozialen Frage beim Kirchentag 1989, Umbau der Lutherkirche durch Einbau von Sozialwohnungen). Mit der Uraufführung der "Nachtwache" möchte die Luthergemeinde einen Beitrag gegen das Vergessen des Leidens leisten, das Menschen einander zugefügt haben und immer noch zufügen. Genauso wichtig ist es für die Luthergemeinde aber auch, zum Ende des Kirchenjahres den Themenkomplex um Buße, Gnade und Vergebung zu reflektieren.
Die Regie hat Robert Desmont übernommen, der schon an der Komischen Oper Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die musikalische Leitung hat der Kantor der Luthergemeinde, Matthias Bender. Das Ensemble wurde speziell für dieses Projekt zusammengestellt und besteht zum größten Teil aus professionellen Schauspielern.
Die Uraufführung wird bewußt am 9. November stattfinden, die weiteren Aufführungen finden dann am 10., 16., 17., 23. und 24. November jeweils um 19:00 in der Lutherkirche, Lutherplatz 3, Spandau statt. Der Eintrittspreis beträgt 25,- DM. Ich würde mich freuen, wenn Sie sowohl von der Probenarbeit als auch von der Premiere berichten würden. Für Nachfragen bezüglich weiterer Informationen und Materialien zu diesem Projekt bin ich erreichbar unter:
Dr. Martin Kückes
Ich verbleibe mit freundlichem Gruß,
Martin Kückes
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